Bildungs- und Erinnerungsort Checkpoint Charlie
Offener zweiphasiger interdisziplinärer Realisierungswettbewerb
2. Preis
Der Stadtraum am Checkpoint Charlie ist durch eine Wunde entstanden, die der Stadt zugefügt wurde.
Wie lässt sich demnach ein Bildungs- und Erinnerungsort an einer städtebaulichen Wunde gestalten, die weltweit wie kaum eine andere für Teilung, Kontrolle und ideologische Konfrontation steht? Unsere Antwort basiert auf einem dialektischen Prinzip: Der Wert einer offenen und demokratischen Gesellschaft wird erst dann wirklich erfahrbar, wenn auch ihr Gegenbild – die räumliche, politische und gesellschaftliche Trennung – erfahrbar wird. Berlin wird – stellvertretend für viele Orte des globalen Konflikts – in zwei gegensätzlichen Zuständen erfahrbar: als geteilte Stadt und als offene Stadt. Dem historischen Ort der Konfrontation wird kein abgeschlossener Gedenkraum entgegengesetzt, sondern ein lebendiger urbaner Bildungs- und Erinnerungsort.
Das freiräumliche Konzept verspricht weniger eine Heilung der Wunde in Form einer Stadtreparatur, sondern zeigt einerseits behutsam die historischen Spuren und bewirkt andererseits bei den Besucher*innen eine erhöhte Aufmerksam- und Empfindsamkeit. Dies geschieht durch die Setzung der Wandscheiben mit den daraus entstehenden Teilräumen und an der Peripherie durch eine hainartige Baumpflanzung mit hoher Aufenthaltsqualität, die Rückzug und Kontemplation anbietet, um die Eindrücke des Orts allein oder in der Gruppe zu verarbeiten.
Für den Stadtboden im Umfeld des Checkpoint Charlie wird ein Patchwork vorgeschlagen, das sich aus robusten Ortbetonflächen und Öffnungen darin ergibt. Für den Ortbeton wird ein Zuschlag aus gebrochenen Bestandsbelägen verwendet, der den einzelnen Flächen eine subtile Farbabstufung gibt. Die Öffnungen der Wandscheiben werden mit den vorgefundenen Materialien wieder befestigt und wirken wie archäologische Fenster, die verschiedene Zeitschichten abbilden.
Weitere Belagsöffnungen gestalten sich grün und ruderal, aus denen teils Klimabäume, teils wiesenartige Pflanzungen wachsen. Hier gilt das ruderale Prinzip, das sich versamende Arten und eine dynamische Vegetationsentwicklung ausdrücklich zulässt.
Das Oberflächenwasser der befestigten Flächen wird den Pflanzflächen gezielt zugeleitet; Perforationen im Beton machen Versickerung im Umfeld der Bäume möglich. Die hainartige Pflanzung erstreckt sich in die Friedrichstraße hinein, um von dort Kommende auf den Ort vorzubereiten.
Die Beleuchtungsidee sieht in der Mitte eine rasterförmige Anlage aus Mastleuchten mit einer hohen Lichtpunkthöhe und kalkweißem Licht vor, während zwischen den Bäumen die Mastleuchten niedriger und deren Licht spürbar wärmer wird.
Zusammenarbeit
Steimle Architekten
SPACE4


